Menschen des Salons

Dr. Nadine Godehardt

Politikwissenschaftlerin und China-Expertin bei der Stiftung Wissenschaft und Politik

Dr. Nadine Godehardt

Dr. Nadine Godehardt untersucht an der Stiftung Wissenschaft und Politik, wie China Räume und Strukturen der Weltpolitik verändert. Sie verbindet die Analyse chinesischer Außenpolitik mit Fragen nach Geopolitik, Konnektivität, strategischen Narrativen und internationaler Ordnung. Dabei richtet sie den Blick auch auf Räume jenseits territorialer Grenzen, etwa Weltraum und Tiefsee. Seit März 2026 ist sie Sachverständige in der Bundestagskommission zu den sicherheitsrelevanten Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und China.

Was mich antreibt

Ich möchte verstehen, wie chinesische Akteure neue Räume erschließen und dadurch Macht gewinnen – im Weltraum, in der Tiefsee und unter der Erdoberfläche. Entscheidend sind für mich die technischen Systeme, die diese Räume mit unserem Alltag verbinden.

Im Projekt „Volumetric Empire“ der DFG-Forschungsgruppe „Learning Empire“ untersuche ich chinesische Weltrauminfrastruktur in Afrika. Satelliten, Bodenstationen und Datenzugänge können Möglichkeiten eröffnen, aber auch Kontrolle begründen. Ich möchte die politischen Entscheidungen hinter technischen Kooperationen sichtbar machen. Dabei geht es nicht darum, China pauschal als Imperium zu bezeichnen. Wir untersuchen vielmehr, wie Infrastrukturkontrolle, lokale Vermittler, Teile-und-herrsche-Strategien, Ideen sowie die Androhung oder Anwendung von Gewalt zusammenwirken und hierarchische Beziehungen hervorbringen.

Warum gerade jetzt?

Abhängigkeiten entstehen dort, wo andere zentrale Bedingungen des eigenen Handelns kontrollieren. Das kann Branchen, Forschungsbereiche und technische Systeme betreffen, ohne ein ganzes Land zu erfassen. Infrastruktur und Standards können solche Beziehungen langfristig verfestigen.

Die Forschung führt deshalb auch zu Deutschland und Europa zurück: Wo gestalten wir Bedingungen für andere, und wo werden unsere Handlungsspielräume andernorts bestimmt? Europa kann über Märkte, Standards und Infrastruktur selbst ein Zentrum bilden und zugleich in anderen Bereichen abhängig sein. Ob daraus imperiale Herrschaft entsteht, muss an konkreten Beziehungen geprüft werden.

Komm an meinen Tisch, wenn …

Du China besser verstehen und zugleich unseren eigenen Platz in der Welt hinterfragen möchtest. Bring einen konkreten Fall, eine Beobachtung oder eine unbequeme Frage mit: Wo bist Du von fremden Technologien, Daten oder Entscheidungen abhängig, und wo gestaltest Du selbst Zusammenarbeit? China-Kenntnisse sind nicht nötig; Neugier auf die Verbindung zwischen fernen Räumen und unserem Alltag genügt.

LinkedIn

Mit dabei

China Conversations · 25.11.2026